Stellen Sie sich vor, sie machen ihrem Partner einen Urlaubsvorschlag. Etwas, das sie sich wirklich wünschen. Ihr Partner hört ihnen ruhig zu, reibt sich schließlich die Nase, blickt ganz kurz nach links oben, dann nach rechts oben und schließlich nach rechts unten. Ein Handlungsablauf von insgesamt nur einer Sekunde. Und dann sagt sie oder er: " Nein das gefällt mir nicht. Ich habe andere Vorstellungen." Was geht in ihnen vor, wenn sie von jemandem um ihre Meinung gefragt werden? Was geschieht hinter ihrer Stirn, bevor sie zu einem Ja oder Nein kommen? Wie funktionieren die abenteuerlichen Wege der Entscheidung?
Wir Menschen haben fünf triftige Gründe warum wir etwas anstreben.
1. Weil es gut aussieht.
2. Weil es sich gut anhört.
3. Weil sich gut anfühlt.
4. Weil es gut riecht.
5. Weil es uns gut schmeckt.
Mit unseren fünf Sinnen nehmen wir nicht nur Informationen auf, wir denken, erinnern und entscheiden auch in diesen fünf Kategorien.
Die Bilder, die wir in der Erinnerung speichern, enthalten die weitaus meisten Informationen. 10 Millionen der über 11 Millionen Informationseinheiten, die pro Sekunde an unser Zentralnervensystem weitergeleitet werden, sind visuelle Reize. Sie wissen: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Wenn Sie ein Bild der Vergangenheit erinnern, können Sie intern sehr vieles wahrnehmen: Menschen, die Dinge, die Umgebung, Formen, Farben, Bewegung und Entfernung.
Wir können im Kopf aber auch innere Bilder entstehen lassen, die wir nicht erinnern, weil wir sie noch nicht erlebten. Machen wir dazu ein kleines
Experiment: Stellen Sie sich vor, ihr Auto hätte plötzlich eine ganz andere Farbe als jetzt. Es wäre knallrot, blitzblau oder strahlend gelb. Oder stellen Sie sich vor, ihr Handy, daß sie in der Hand halten, ist klein wie ein Fingerhut oder groß wie ein Haus. Wahrscheinlich ist es ihnen recht leicht gefallen, sich das vorzustellen, obwohl sie es noch nie sahen.
Aus der Untersuchung seines schriftlichen Nachlases wissen wir, daß Einsteins visuelles Vorstellungsvermögen Bestandteile seine Genies war. Er erzeugte zum Beispiel das innere Bild eines Menschen, der mit Lichtgeschwindigkeit auf dem Ende eines Lichtstrahls reitet. Und er stellte sich die Frage: Was ist wenn dieser Mensch auf dem Lichtstrahl in einen Spiegel blickt? Wirft der Spiegel sein Bild zurück, obwohl er ja bereits mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist?
Ein Manager, der die Erinnerungen an ein Meeting nicht nur in Bildern sondern als Film bewahrt, kann nachträglich das Meeting Revue passieren lassen und das Verhalten der Teilnehmer und sein eigenes analysieren. Sportler nutzen die Möglichkeit, im Geist Bewegungsmuster immer wieder ablaufen zu lassen, um sie zu analysieren.
Der auditive Informationsgehalt von Erinnerungen ist weit geringer als der visuelle. Knapp 1 Million der 11 Millionen Informationseinheiten pro Sekunde haben auditiven Charakter. Sie können sich bestimmt an typische Zirkusmusik erinnern, die sie schon einmal gehört haben. Oder an das Plätschern und Gurgeln eines Baches.
Unsere Vorstellungskraft ermöglicht uns auch, intern bisher noch nicht gehörte Geräusche und Klänge zu konstruieren. Dazu wieder ein
Experiment: Die wenigsten von Ihnen werden folgenden Satz schon einmal ausgesprochen haben. Lassen sie ihre innere Stimme laut und deutlich und mit einem für sie angenehmen Klang folgendes sagen: "Ich bin eine hervorragende Führungskraft!" Das war doch ganz einfach, oder?
Erinnerungen sind mit Gefühlen verbunden. Wir können uns daran erinnern, wie sich das Haar unseres Partners anfühlte, als wir es berührten. Wir können uns erinnern, wie es ist, durch Wasser zu waten oder mit bloßen Füßen über Gras zu gehen. Und wir können das Körpergefühl in die Erinnerung zurückholen, das entsteht, wenn wir sehr rasch laufen oder Hunger haben. Das sind Gefühle, die durch die Nervenenden in unserer Haut, dem Knochengerüst und den inneren Organen hervorgerufen werden.
Und dann gibt es noch Gefühle, die durch Verletzung oder Bestätigung unserer Werte in uns entstehen. Gefühl wie Freude, Ärger, Haß, Ekstase, Angst, Sehnsucht oder einfach Wohlbehagen.
Wir haben sehr unterschiedliche Entscheidungsstrategien. Die endgültige Entscheidung treffen wir aber immer deswegen, weil wir am Schluß des Denkprozesses ein gutes oder schlechtes Gefühl haben.
Sie erinnern sich sicher an den Geruch von frisch gemähtem Gras oder von köstlicher Weihnachtsbäckerei. Der Geruchssinn entstand entwicklungsgeschichtlich sehr früh. Die Geruchsinformationen werden daher in einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Bereich des Gehirns verarbeitet. Das ist auch der Grund, warum sie sehr oft gar nicht in unser Bewußtsein dringen. Wir sagen zum Beispiel: "Ich kann diese Person nicht riechen." Wir wissen aber bewußt gar nicht, was der eigentliche Grund dafür ist.
Sie können sich sicher an den Geschmack eines kulinarischen Genusses erinnern. Denken Sie doch jetzt an den Geschmack ihrer Lieblingsspeise. Vielleicht ruft das gleichzeitig auch ein angenehmes Gefühlen in ihnen hervor.
Wir haben erkannt, daß Menschen Informationen sehr unterschiedlich speichern. Manche können sehr gut erinnern, was sie in einem bestimmten Erlebnis gesehen haben. Sie bevorzugen das visuelle Repräsentationssystem. Andere Menschen erinnern sich eher daran, was sie hörten oder fühlten. Sie bevorzugen das auditive oder das kinästhetische Repräsentationssystem.
Wenn Sie erkennen können, wie ihr Gesprächspartner erinnert oder in Gedanken die Zukunft konstruiert, haben Sie schon einen wesentlichen Schritt getan, seine Gedankenwelt zu verstehen.
Finden sie heraus, welches Repräsentationssystem sie selbst bevorzugen.
Jeder Mensch hat bevorzugte Körperhaltungen und Bewegungsmuster. Das hinterläßt Spuren in der Kleidung, typische Falten und abgenutzte Stellen. Genauso ist es mit dem bevorzugten Repräsentationssystem. Es gibt eine Reihe von Hinweisen, an denen wir erkennen können, welches Repräsentationssystem jemand bevorzugt, um etwas zu erinnern oder zukünftige Modelle zu konstruieren.
Sie haben fünf Möglichkeiten, zu erkennen, welches Repräsentationssystem ihr Gegenüber gerade benützt.
