Die Qualität unseres Denkens, Handelns und Kommunizierens ist abhängig davon, wie wir unsere Sinneswahrnehmungen verarbeiten. Vor allem ist die Art, wie wir Erinnerungen speichern und wie wir Zukünftiges konstruieren, für exzellentes Verhalten im Hier und Jetzt ausschlaggebend.
Warum verhalten sich Menschen so, wie sie sich verhalten? Wie schaffen es erfolgreiche Kommunikatoren, was sie sagen wollen, immer so zu vermitteln, daß es andere sie verstehen und akzeptieren?
Nehmen Sie einmal an, ihr Chef wünscht ihnen ein schönes Wochenende. Diese Information hat mehrere Komponenten. Sie könnten, wenn Sie aufmerksam wären, den Chef sehen, der zu ihnen spricht, seine Bewegungen, seine Hautfarbe und die Farbe seiner Kleidung. Sie könten den Gruß hören und auch den Klang der Stimme, die Lautstärke, seine Betonung. Sie könnten seine Hand in Ihrer fühlen, wenn Sie sich verabschieden. Und vielleicht riechen sie auch sein Rasierwasser.
Bevor diese Information in ihr Bewußtsein gelangt, filtern sie einiges davon aus. Da sind einmal die physischen Einschränkungen ihrer Sinnesorgane.
Unsere Augen reagieren nur auf Lichtwellen innerhalb einer Bandbreite von 400 bis 800 Nanometer. Tiere können auch Licht anderer Bandbreiten wahrnehmen. Bienen zum Beispiel sehen violette Blüten so, als wären sie weiß. Da die Sensitivität der Farbrezeptoren im menschlichen Auge gering ist, können wir im Dunklen unsere Umgebung nur in Graustufen wahrnehmen.
Auch unsere Ohren nehmen Schall nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite auf. Es gibt Tiere, die wesentlich höherer Töne sehr gut hören können. Delfine können sich durch Aussenden von Ultraschall im Meer orientieren. Die Pfeife, die den Hund zum Besitzer zurückruft, ist für unsere Ohren nicht zu hören.
Unsere Haut, unser größtes Sinnesorganen, ist auch nur begrenzt in der Lage, taktile Informationen aufzunehmen. Die Zahl der Nervenenden in unserer Haut ist nicht so groß wie etwa im Auge. Daher können wir den Druck zweier spitzer Gegenstände nur dann unterscheiden, wenn sie genügend weit voneinander entfernt sind.
Experiment: Berühren Sie jemanden mit ein bis fünf Fingerkuppen in engem Radius am Rücken zwischen den Schulterblättern. Bitte Sie die Person zu raten, wieviele Finger Sie verwenden. Höchstwahrscheinlich wird die Antwort falsch sein.
Wir spüren Wärme und Kälte und können Form und Oberfläche von Materialien und Gegenständen ertasten. Wir fühlen auch in unserem Körper. Der Magen läßt uns erkennen, ob wir hungrig sind. Nervenenden in den Gelenken geben uns Informationen über Position und Stellung der Gliedmaßen, eine Voraussetzung für koordiniertes Bewegen.
Unser Geruchssinn war ursprünglich weit empfindlicher. Tiere können Beute über große Entfernungen riechen. Für das Überleben ist unser Geruchssinn keine große Bedeutung mehr. Darum ist unsere Nase auch nicht mehr so sensitiv.
Unser Geschmackssinn kann 4 Reize unterscheiden: süß, scharf, bitter, sauer. Alles was schmeckt, setzt sich aus diesen vier Komponenten zusammen. Der feine Geschmack der frischen Auster genauso, wie der von deftigem Knoblauch.
Straßen schlendern, wird Ihnen bewußt, wie viele Schmuckgeschäfte es hier gibt. Das kleine Mädchen neben Ihnen, ist an ganz anderen Dingen interessiert. Es wird die vielen Schmuckgeschäfte nicht bemerken und eher nach Spielsachen Ausschau halten.
Die Mutter, die auf der Parkbank sitzt und auf ihr Baby achtet, nimmt beim Lesen den Lärm nicht wahr, den die spielenden Kinder verursachen. Doch sobald ihr Baby im Kinderwagen auch nur ganz leise das Stimmchen erhebt, hört das die Mutter unmittelbar und schaut nach dem Rechten.
Sie nehmen wahr, was ihnen in diesem Moment wichtig ist und worauf sie deshalb ihre Aufmerksamkeit lenken. Dieses Filter entsteht und entwickelt sich aufgrund zahlloser Referenzerfahrungen unseres Lebens. Wir lernen, erleben und erfahren, was für uns von Bedeutung ist. Und darauf konzentriert sich unser Bewußtsein.
Die unterschiedlichen Strategien, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten, wirken ebenfalls als Filter. In der NLP-Sprache nennen wir sie die Metaprogramme.
Manchen Menschen ist es zum Beispiel viel wichtiger, den großen Überblick zu bewahren. Manche sind nur an Details interessiert. Wenn Sie einem detailorientierten Menschen über die große Idee eines Vertragsentwurfes erzählen, wird er nicht zuhören. Er wird erst dann interessiert seien, wenn Sie ihm die Gelegenheit geben, in den Details des Paragraphendschungels zu wühlen.
Sie werden die Metaprogramme heute noch ausführlich kennen lernen.
Von unseren Sinnesorganen werden pro Sekunde mehr als 11 Millionen Informationseinheiten an unser Zentralnervensystem weitergeleitet. Wenn die Information, daß ihnen ihr Chef ein schönes Wochenende wünscht, ihr Bewußtsein erreicht hat, sind davon nur etwa 40 Informationseinheiten pro Sekunde übrig geblieben. Sie haben davon gerade jene 40 ausgewählt, die der Aufnahmefähigkeit ihrer Sinnesorgane, ihren Werten, ihrer Aufmerksamkeit und ihren Metaprogrammen entsprechen.
Ihre Filter der Wahrnehmung sind Teil ihrer Persönlichkeit, denn es gibt einen einzigen Menschen auf der Welt, der genau ihre Erfahrungen gemacht hat. Wenn ihnen ihr Chef die Hand drückte und ihnen ein schönes Wochenende wünschte, nehmen Sie dies auf eine Art und Weise wahr, wie nur sie es tun können. Jeder andere Mensch würde diese Szene anders interpretieren und auch anders reagieren.
Sie speichern die Informationen, die sie aufnehmen, in ihrem Gedächtnis. Ihr Gehirn bewahrt für Sie die Bilder, die sie sahen. Es speichert die Wörter, Klänge, Geräusche, die sie hörten, das was sie zu diesem Zeitpunkt fühlten, rochen und vielleicht auch schmeckten. Diese Szenen stehen Ihnen als Erinnerungen jederzeit abrufbar zur Verfügung.
Die aufgenommenen Informationen rufen in ihnen Gefühle wach. Der gute Wunsch des Chefs kann in ihnen eine recht unangenehmes Gefühl verursachen. "Das ist ja ungeheuer. Zuerst deckt er mich mit Arbeit zu, die ich nur am Wochenende erledigen kann. Und dann hat er die Unverfrorenheit, mir ein schönes Wochenende zu wünschen." Es kann auch sein, daß sie sich sehr darüber freuen.
Was in ihnen stellt die Verbindnung her zwischen den aufgenommenen Informationen und ihrem Gefühl?
Wenn sie Karriere machen wollen, haben sie wahrscheinlich ein gutes Gefühl dabei, wenn der Chef ihre Leistungen vor versammelter mannschaft besonders würdigt.
Nehmen wir an, sie hören mit, wie jemand einem Fremden den Weg zum Rathaus der Stadt erläutert, und sie wissen genau, das ist der falsche Weg. Sie unterbrechen das Gespräch und wollen den Weg richtig erklären. Der andere erklärt dem Fremden, er solle ihnen bloß nicht zu hören. Die Wahrnehmung dieser Situation wird in Ihnen möglicherweise ein Gefühl von Ärger verursachen, weil Sie sicher wissen, daß sie Recht haben und sie der andere noch dazu nicht mit Respekt behandelte.
Wenn Sie sich wegen böser Erfahrungen in der Dunkelheit fürchten, werden sie sich auch beim nächsten Gang durch einen dunklen und engen Fußgängertunnel ängstigen und um ihr Leben bangen. Der Gedanke, daß die Weihnachtszeit naht, verursacht vielleicht ein angenehmes Gefühl, weil sie viele schöne Erinnerungen damit verbinden.
Die Gefühle sind der Motor ihres Verhaltens. Wenn sie sich über die Aussage ihres Chefs ärgern, ziehen sie vielleicht ihre Brauen kurz zusammen. Ihre Hände machen eine kaum wahrnehmbare abweisende Bewegung. Ihre Lippen werden schmäler. Und sie schweigen, weil in dem Moment ihr Denken blockiert ist. Oder sie freuen sich darüber und ihre Augen werden größer, beginnen zu strahlen. Ihre Mundwinkel begrüßen ihre Ohrläppchen und Lachfältchen erscheinen um ihre Augen.
Unsere Werte, das was in unserem Leben zählt, bestimmt die Qualität der Gefühle, wenn wir Informationen aufnehmen. Glauben wir, daß eine Verletzung einer oder mehrer unserer Werte droht oder schon stattgefunden hat, erleben wir das als negatives Gefühl. Werden unsere Werte erfüllt oder können wir darauf hoffen, sind die Gefühle positiv.
Wie auch immer sie auf den Wunsch ihres Chefs reagieren, ihr Verhalten ist für ihren Chef Information, die er genau wie sie mit physischen und psychischen Filtern siebt. Was er von ihnen bewußt wahrnimmt hängt ab von der Aufnahmefähigkeit seiner Sinnesorgane, seinen Werten und seiner Art, Informationen zu verarbeiten.
Die Gedanken und Gefühle, die ihn zu diesem Zeitpunkt beherrschen, werden ihn ebenfalls auf eine bestimmte Art und Weise agieren lassen. Die Interaktion zwischen ihnen und ihrem Chef nimmt ihren Lauf.
